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Warum es immer mehr Schwule und Lesben in die Berge zieht

Die Tourismusdestination Schweiz gibt es erst seit rund 150 Jahren. Es waren vor allem englische Touristen, die sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts von den Alpen faszinieren liessen. Seither hat sich der Tourismus als sehr wichtiger Wirtschaftssektor entwickelt.

Bergwärts unter uns!

Die Tourismusdestination Schweiz gibt es erst seit rund 150 Jahren. Es waren vor allem englische Touristen, die sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts von den Alpen faszinieren liessen. Seither hat sich der Tourismus als sehr wichtiger Wirtschaftssektor entwickelt. Das Wachstum nimmt zu. Der ägyptische Investor Sawiris hat in Andermatt für sein Ferienresort bislang 345 Millionen Franken investiert. Und in Arosa ist Mitte Januar als eines vieler Tourismusprojekte eine Skigebietsverbindung zwischen Arosa und Lenzerheide eröffnet worden. Als Gegensatz dazu muten die traditionellen Fahnenschwinger und Alphornklänge, Arvenholz und altes Handwerk in laufenden Marketingkampagnen an. «Die Einkaufsstrassen dieser Welt gleichen sich immer mehr. Da gewinnt das Echte und Unaustauschbare an Bedeutung» begründet Jürg Schmid, der Chef von Schweiz Tourismus.

pink alpine

© Pink Alpine

Entschleunigt zurück aus den Bergen

Ist es dieses Unaustauschbare, das auch Schwule und Lesben in der alpinen Natur suchen? Von unseren Kunden habe ich noch ein bisschen ein differenzierteres Argument, wieso sie ihre Freizeit und Ferien in den Bergen verbringen, erhalten. Viele Schwule und Lesben suchen nebst dem Echten eben auch die Ruhe und die Entschleunigung. Da passt des Schweizer Dichters Ludwig Hohl Antwort auf die Frage «Warum steigt ihr auf die Berge? Um dem Gefängnis zu entrinnen» präzise.

Die Berglandschaften sind unglaublich schön, sodass man halt in der Regel auch einfach still steht um die Naturgewalt zu bestaunen. Also nicht nur die dünnere und reinere Luft sondern auch die Schönheit bringt uns aus dem Takt des Alltags. Der Trend zu mehr Gay Outdoorsport zeichnet sich seit mehreren Jahren ab. Schon vor über 20 Jahren wurde auf der Lenzerheide eine Gay Skiwoche durchgeführt und ihre Schwester, die «Arosa Gay Skiweek» hat dieses Jahr den 10. Geburtstag gefeiert. Die beiden Bergsport- und Wandervereine «Gaypeak» aus Zürich und «les lacets roses» zählen so viele aktive Mitglieder, wie noch nie.

pink alpine

© Pink Alpine

Outdoorbranche boomt

«Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur undichte Kleider» meinte Urs, mein Bergführer neulich frühmorgens vor dem Berggasthaus hoch über Zermatt und klopfte mir motiviert auf die Schultern. Draussen stürmte und regnete es stark. Ich hätte jeden Preis bezahlt um wieder zurück in den Schlafsack schlüpfen zu können. Aber recht hatte der erfahrene Bergführer ja schon. Wir mussten weiterziehen. Dank der wasserdichten Kleider war dies auch zu verantworten. Selbst bei eisigen Temperaturen oder sehr starken Niederschlägen bleiben wir heute trocken. Und selbst nach grösster Anstrengung sind wir mit den aktuellen Sportkleidern nicht schweissnass und stinken nach Schweiss, so dass alle einen weiten Bogen um uns machen. Die Outdoorbranche boomt und bietet uns für jede Jahreszeit die besten Ausrüstungsgegenstände und Kleidungsstücke an. Konservative Berechnungen der European Outdoor Group (EOG), weisen darauf hin, dass der jährliche branchenweite Umsatz 10 Milliarden Euro übersteigt.

Dazu leisten Lesben und Schwule einen massgeblichen Anteil. Das verstaubte Image der roten Socken ist durch sexy und komfortable Outdoorkleider weltbekannter Marken längst abgelöst. Heute ziehen sieht man Sportkleidung fast bei jedem Anlass und für gewisse Lesben und Schwule ist es gar ein Fetisch.

Der einfache Zugang zu den Bergen

Nebst der Erholung und dem vereinfachten Zugang dank ausgebauter Infrastruktur und passender Kleidung fällt mir auf, dass die demografische Entwicklung in der Bevölkerung die Nachfrage hin zu Ferien in den Bergen steigert. Viele von uns sind mobil und wollen möglichst lange sportlich aktiv bleiben. Es ist keine Seltenheit, dass Lesben und Schwule in kleinen Gruppen mutig den Einstieg in eine bisher nicht ausgeübte Bergsportart schaffen, auch wenn sie nicht mehr zu den Twens zählen.

Die Bergsportschulen und Reiseanbieter fokussieren immer stärker auf dieses Segment und erweitern laufend ihr Angebot. Wandern bleibt die beliebteste Bergsportart. Die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein verfügen insgesamt über mehr als 60 000 Kilometer Wanderwege. Zum Vergleich: Schweiz weit gibt es total 71 297 Strassenkilometer. Aber weitere Bergsportarten wie Langlauf, Mountainbiken und Skitouren holen stark auf und werden in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen.

pink alpine

© Pink Alpine

Ferien in den Bergen bieten eben uns eben doch alles. In der Vorbereitung können wir unsere Shoppinglust stillen und uns nach Lust und Laune ausstatten, danach sind wir aktiv in der Bergluft und tun damit was für unsere Form und nicht zuletzt fallen wir aus dem hektischen Rhythmus des Alltags und kehren entschleunigt aus den Bergen zurück. Bergwärts unter uns!

Gastblogger René Böhlen ist Geschäftsleiter von Pink Alpine, dem bedeutendsten Anbieter für Outdoorferien für Schwule und Lesben in der Schweiz.

gastautor rené böhlen

Gastblogger René Böhlen, Geschäftsleiter von Pink Alpine

Titelbild: Fotograf © Jonas Lambrigger

 

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